Mrz / II - Kirchenmusik: Vokalpolyphonie der Renaissance
No translation available. Please check soon.
Thema der Woche:Vokalpolyphonie der Renaissance
Mit dem Artikel der heutigen Woche beginnen wir, die einzelnen Stile sakraler Musik in Ost und West und in den verschieden Epochen zu betrachten. Zu Beginn soll die Vokalpolyphonie der Renaissance vorgestellt werden, ein Stil, der die Kirchenmusik der römischen Kirche ähnlich stark geprägt hat wie der Gregorianische Choral.
Die klassische Vokalpolyphonie, also die sakrale Musik der Renaissance, entwickelte sich aus dem Gregorianischen Choral. Im Hochmittelalter, etwa ab dem 9. Jahrhundert begann man, zur Hauptstimme, der Vox Principalis, eine Oberstimme (vox organalis) zunächst zu improvisieren, dann aufzuschrieben. Diese bewegte sich recht starr parallel zur Hauptstimme, immer im Quart-, Quint- oder Oktavabstand. Dies markiert den Beginn der Mehrstimmigkeit.
Im Laufe der Zeit werden weitere Stimmen komponiert und die Mehrstimmigkeit löst sich mehr und mehr aus den starren Intervallen. Die ersten durchkomponierten Messen entstehen.
In der
Renaissance schließlich werden die Quarten und Quinten endgültig
abgelöst von weicheren Terzen und Sexten - eine Dreiklangsharmonik wird
vorbereitet. Der neue Stil beginnt in Flamen. Die franko-flämische Musik zeichnet sich besonders durch ihre Klarheit und Einfachheit aus. Die
Musik wirkt sehr durchsichtig, jede Stimme ist einfach zu verfolgen.
Wichtig sind besonders eine glatte Rhythmik, die Musik ist v.a.
melodisch-horizontal als akkordisch-vertikal ausgerichtet.
Einen
deutlich anderen Akzent setzte die englische Polyphonie mit ihrem
berühmtesten Vertreter John Dunstable (1390-1453).Sie ist bekannt
für ihre farbige Harmonik. Die Rhythmik ist eher schlicht gestaltet,
wichtig ist der breite, volle Chorklang, der v.a. durch die
beginnende Dreiklangsharmonik erreicht wird.
Als Beispiel für die englische Vokalpolyphonie:
William Byrd (1543-1623): Ave verum corpus
Unter den Eindrücken der musikalischen Neuerungen versuchte das Trienter Konzil wieder Ordnung zu schaffen. Vor allem fürchtete man, dass die neue Vokalpolyphonie die Textverständlichkeit gefährdete. Das Konzil forderte deshalb auch einfachere Formen, die Musik solle dem Wort dienen.
Als hervorragendes Beispiel dafür ehrte man besonders Giovanni Perluigi da Palestrina, der so zum Inbegriff katholischer Kirchenmusik wurde. Seine "Missa Papae Marcelli" wurde Vorbild für Jahrhunderte. Der sog. Palestrinastil sammelte die Einflüsse der vorangegangenen Jahrhunderte und verband die franko-flämische Polyphonie mit italienischer Sanglichkeit.
Er
zeichnet sich durch eine sangliche Melodie , ruhige Bewegungen,volle
Dreiklänge und behutsame Verwendung von Dissonanzen aus. Vor allem
aber erfüllt Palestrina die Forderung des Konzils
nachTextverständlichkeit.In einer Sache folgte er ihm jedoch nicht:
Das Konzil verbot auch Parodie-Messen, also Kompositionen, die auf
einer weltlichen Melodie basierten, woran sich Palestrina jedoch
nicht hielt.
Giovanni Pierluigi da Palestrina -
Kyrie aus der "Missa Papae Marcelli"